2015 war ein grosses Jahr, da besteht kein Zweifel: die Châteaux konnten in diesem Jahr wirklich aus den vollen schöpfen, die Merlots im rechten Ufer konnten genau zum richtigen Reifezeitpunkt geerntet werden, am linken Ufer war das Wetter und die Bedingungen für die Cabernets ebenfalls hervorragend.

Oben: En-Primeurs Degustation bei Ulysse Cazabonne, unserem Hauptlieferanten.
Es gibt trotzdem einige Kriterien die man dieses Jahr beachten musste, für uns Einkäufer und Degustatoren nicht ganz einfach, hier die deutlichsten Stile die ich dieses Jahr gefunden habe:
- „Over-Cooked“: v.A. die Merlots wurden zu späte gelesen, die Frucht war überhitzt und wurde dann ziemlich „plump“ und eben, als gekochte Frucht, gelesen. Dies schmeckt man deutlich in den modernen Weinen der Weinmacher aus Saint-Emilion
- „Overloaded“: Zu viel Holz, zu viel Konfitüre, zu schwer und zu gross. Eine Machart die leider am rechten Ufer sehr häufig vorkommt.
- „Maskiert“: Der Begriff bringt die Machart sehr gut zum Ausdruck, um gewisse Aromen zu eliminieren oder zu kaschieren wird übermässig viel Holz eingesetzt. Dieser Stil habe ich dieses Jahr einige male geschmeckt.
- Zu hohe Säure, zu tiefe Säure: Die Säure-Balance stimmt nicht, entweder es gab sehr viel Säure (v.A. Bio Weine) oder aber sehr wenig und der Wein wirkte Plump.
Auf was ich achte, und welchen Stil ich mag:
- Weiche Weine mit geschmeidigen Tanninen, Eleganz und Stil
- Klassiker mit geschliffenen und polierten Tanninen
- Wenig Holz, chauffe moyenne
- Gute Säure Balance mit einem geringen Teil Cabernet Franc der v.A. für Frische sorgt. Auf Plumpe Fruchtbomben kann ich verzichten.
Für das Jahr 2015 war es nicht ganz einfach den gewünschten Stil zu finden, viele Muster waren sehr gut, aber es gab eben auch Inkonsistenzen die gerade bei grossen Châteaux schon auch vorkamen.
Degustiert wurden Ca. 250 Fassmuster, linkes und rechtes Ufer. Untenstehend sind die Highlights pro Appellation:
Linkes Ufer

Oben: Château Latour. Herausragend, berauschend, magisch.
Haut-Médoc: Ch. Cantemerle, Sociando Mallet, Tour Carnet (modern), Paloumey. Es hatte leider auch weniger schöne Muster, aber das ist ja normal.
Listrac-Médoc: Mauvesin-Barton (erster richtig guter Jahrgang!), Maucaillou, Fourcas-Borie
Margaux: Hier viel gutes! Brane Cantenac, Rauzan-Ségla, Giscours (!), Cantenac Brown (Bombe!), Malescot St-Exupéry, D’Issan und als Coup de Coeur: La Gurgue. Sehr konsistente Appellation mit vielen sehr schönen Weinen!
Saint Julien: Talbot, Glana, Gloria (sehr lecker!), Léoville Barton (grosse Klasse, wie jedes Jahr), Langoa Barton, Branaire Ducru (fein und seidig), Gruaud Larose. Saint Julien hat tolle, runde und elegante Weine zu bieten.
Pauillac: Mouton Rothschild (saftig, weich, rund, geschliffene, tolle Tannine!), Petit Mouton, Latour, Pichon Lalande auf Höchstform! Vanille, dezentes Holz, grosses Kino. Batailley ein sicherer Wert, d’Armailhac (wird jedes Jahr besser, definitiv kaufen), Clerc Milon (juicy, saftig, weich, top!).
Saint-Estèphe: Montrose, Tronquoy Lalande, Phélan Ségur (ausgezeichnet!), Capbern (Coup de coeur für St. Estèphe), MEYNEY. Leider gab es auch weniger gute Muster.
Pessac-Léognan: Carmes Haut-Brion schwingt obenaus, Haut-Brion, Mission Haut-Brion, Pape Clément rouge (obwohl sehr moderner Stil, wird sich aber in +5 Jahren perfekt geniessen), Carbonnieux
Sauternes: Sigalas-Rabaud (mein Favorit!), Guiraud, Clos Haut Peyraguey, La Sémillante de Sigalas. Allgemein für diese Appellation: nicht klebrige, sondern sehr elegante und gut gemachte Sauternes mit einem schönen „Frische-Finish“.
Rechtes Ufer

Oben: #ChateauCanon
Saint-Emilion: Canon (schon jetzt ein Klassiker…), Troplong Mondot (hart an der Limite, aber so ist es genau richtig! Sehr lecker!), Teyssier (coup de coeur!), Le Dôme, Fleur Cardinale (hart an der limite to be overcooked, aber wird in 5 Jahren perfekt sein), Dassault, Magrez-Fombrauge, Figeac (grosse Klassik obwohl viel extrahiert wurde)
Pomerol: Starke Appellation dieses Jahr, sehr viele, sehr schöne Weine. Die Highlights: CLINET (seidig fein, tolle Frische, wunderschöne sekundär-Aromen), La Conseillante, Clos Du Clocher, Le Vray Croix de Gay (neu mit unterstützung von Latour), Vieux Maillet, Feytit-Clinet
Satelliten, Fronsac, andere Apellationen: Moulin Haut-Laroque, Thieuley (dieses Jahr mit viel knackiger Säure).
Jetzt warten wir geduldig auf die Preise…
Unsere Weinhandlung Stämpfli AG in Laupen wählt auch dieses Jahr eine Auswahl für Sie aus: Preis-/Genussverhältnis soll stimmen und vor allem Ihnen einen Mehrwert bieten, für irgendwas kauft man ja auf Subskription und wir glauben fest an diese Kampagne: das Jahr ist gross und die Preise werden nicht durch die Decke steigen. Wir bieten Ca. 18-20 Weine in allen Preisklassen und aus fast allen Appellationen an um Ihnen die Auswahl zu erleichtern.
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Oben: Degustation auf Château Giscours
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